Chronik von Winzer     

 
     

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1005. Der Ort Winzer/Donau ist aber schon älter. In frühgeschichtlicher Zeit war das Gebiet zwar siedlungsarm, aber nicht unbewohnt. Dieses beweisen Funde aus dieser Zeit. Der Fund von einigen Terra-Sigilada-Stücken und einer römischen Münze am Fuße des Burgberges besagen aber noch nicht, dass die Römer einst siedelten. Eine erste feste Ansiedlung dürfte schon vor 950 bestanden haben. Diese befand sich im heutigen Unterwinzer bei der Kirche. Der Name Winzer kommt von "Weinbau" und wird aus dem lateinischen "Vinitor" = Winzer-Weinbauer abgeleitet. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es hier mehrere Weinberge.

Die ganze Gegend war ursprünglich im Besitz des Bayerischen Herzogs. Dieser gab das Gebiet um 1009 dem Bischof von Bamberg. Zur Verwaltung wurde ein sogenannter Ministerialer eingesetzt. Dieser erbaute sich dann Mitte des 11. Jahrhunderts eine Burg und nannte sich "Winzerer". Ab 1230 wurden die "Winzerer" adlige Ritter. 1324 starb das Geschlecht aus.

Durch die Heirat von Hildebrand von Puchberg (bei Cham) mit Eufemia von Winzer kamen die Puchberger hier her. Diese waren eines der reichsten und angesehensten Rittergeschlechter des Bayerwaldes. In ihrem Wappen führen sie drei Halbmonde wie wir diese auch noch im heutigen Gemeindewappen sehen können.
Im Gemeindewappen befindet sich auch noch eine Weintraube als Hinweis auf den seit dem 9. Jahrhundert bezeugten Weinbau.

Am Fuße des Burgberges entstand ein reiner "Herrschaftsmarkt", der aber keine besondere Bedeutung erlangte. Vermutlich entstand dieser im Jahre 1307, als der Herzog den Puchbergern die Anlegung eines Vorhofes unter seiner Burg (an der Säcker) gestattete. Diese neue Ansiedlung wurde sogar in das Befestigungssystem der Burg einbezogen. Von der Mauer sind noch heute wenige Reste erhalten. Für diese sogenannte Grundherrschaftliche Marktgründung war keine besondere Genehmigung notwendig.
Am 16. Oktober 1922 verliehen die niederbayerischen Herzöge Hartlieb von Puchberg für die Ansiedlung die Marktfreiheit. "privilegia mercatus publici, Urkunde Nr. 342".
Nun konnten alle Fremden mit jeder Gattung von Waren zusammenkommen, frei Handelsgeschäfte treiben, kaufen und verkaufen. Dieser "Nahhandelsmarkt" wurde an der platzähnlich erweiterten Durchgangsstraße zwischen dem östlichen und westlichen Markttor in Oberwinzer abgehalten.

Der letzte Puchberger Jakob hatte keinen männlichen Erben.
Seine Tochter Elisabeth heiratet den späteren Grafen Ott-Heirnich von Schwarzenberg.
Nun ging Burg und Herrschaft an das Geschlecht der Schwarzberger über. Doch schon die 2. Generation unter Wolf Jakob musste den Besitz im Jahre 1603 verkaufen. Der spätere bayerische Kurfürst Maximilian erwarb Burg und Herrschaft und war nun Landes- und Grundherr von Winzer. Im Jahre 1591 bestand der Markt, der sich zwischenzeitlich in Richtung Mittelwinzer ausdehnte, ledichlich aus 44 Häusern. Es gab je einen Bader, Bierschnk, Krämer, Wirt, Binder, Schlosser, Schmied, zwei Bäcker und zwei Schneider. Zwischen Ober- und Unter-winzer (Markt und Dorf) lag das Spital. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden in Mittelwinzer vier zum Schloss gehörige Verwaltungs-gebäude errichtet (Gerichtsschreiber-, Weißbierbräu-, Amtsmann- und Pflegegerichtshaus - jetztiges Rathaus).
Im österreichischen Erbfolgekrieg sprengten die Panduren das Schloss am 1. November 1744 in die Luft. Es wurde nicht mehr aufgebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden die Kolonien Pledl, Reckenberg und Grafenhölzl. Durch den Zuzug der vielen Neusiedler entstand aber eine große Armut. Auf der Suche nach einer Erwerbsquelle kam es in Winzer zu einer besonderen Entwicklung. Aus den wildwachsen-den Weiden am Donauufer und in den Auen wurden Körbe gezäunt und verkauft.
Schon blad hießen die Winzerer in der ganzen Umgebung "Körblzäuner".
Das Korbmachergewerbe wurde strukturbestimmend. Bei der Bildung der Gemeinden im Jahre 1818 wurde Winzer eine selbstständige Ruralgemeinde.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform kam 1978 die Gemeinde Neßlbach mit 1041 Einwohnern dazu. Die Einwohnerzahl beträgt derzeit ca. 3850.

 

 

 

 

 

 

  Chronik von Neßlbach

 
 

Über Neßlbachs Frühzeit sind nur sehr spärliche Meldungen vorhanden. Seinen Namen erhielt der Ort von dem nahen gleichnamigen Bächlein. Das Bächlein hat seinen Namen von der Bewässerung der Wiesen, an die es sein Wasser verteilt (im Altdeutschen nezzen = benetzen), oder von den Nesseln, die hier wachsen. Die Gegend um Neßlbach gehörte zu dem Landstrich, den König Heinrich im Jahr 1005 dem Kloster Niederaltaich schenkte. Die erste urkundliche Erwähnung findet im Jahre 1148 statt, als sich das Kloster Niederaltaich von Papst Eugen III. das Recht auf die Pfarrei St. Peter und Paul bestätigen ließ. Zwischen Neßlbach und Mühlau wurde 1930 eine Hornsteinlanzenspitze aus der Jungsteinzeit (4500 - 1800 v. Chr.) gefunden.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg, vor 250 Jahren, besetzten die Österreicher Neßlbach. Am 07. Mai 1742 musste der Pfarrer flüchten und es wurde vier Monate kein Gottesdienst gehalten. Am 23. Mai kam der Pandurenoberst Freiherr von der Trenck, ein grausamer Mann (so schreibt Abt Marian Pusch) hier an. 1818 wurde Neßlbach eine selbstständige Gemeinde, die sich an den alten Pfarrgrenzen orientierte. Am 10. März 1903 erhielt der Ort eine Postagentur, die dem Lehrer Josef Eckl übertragen wurde. Mit der Postzustellung begann man in Winzer bereits um 4 Uhr früh und nachmittags in Hofkirchen, sie erfolgte mittels Karriolpost (leichtes zweirädriges Fuhrwerk mit Kastenaufbau).

Im 1954 genehmigten Gemeindewappen "illustrieren" sich drei bekannte niederbayerische Adelsgeschlechter. Die Rauten (Wecken) deuten auf die Grafen von Bogen als einstige Grundherren hin. Der Halbmond (aus heraldischen Gründen wurde nur ein Halbmond wiedergegeben) geht auf die Puchberger zu Engelsberg zurück. 1416 war die Engelsburg ein wichtiger Stützpunkt der Grafen von Ortenburg, weshalb auch deren Schildfigur, der Gegenzinnenbalken, im Wappen mitberücksichtigt wurde.

Im Zuge der Gebietsreform wurde Neßlbach zum 01. Mai 1978 mit seinen 1041 Einwohnern und 14,58 qkm Fläche in den Markt Winzer eingemeindet.

Hauptaugenmerk der weiteren Entwicklung der Einheitsgemeinde Markt Winzer sind Strukturverbesserungen zur nachhaltigen Stärkung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Stärkung des Fremdenverkehrs und der Wirtschaftsstruktur im Donautal sowie eine angemessene Siedlungsentwicklung. Es soll auch für die kommenden Generationen erstrebenswert sein, in Winzer zu leben, zu arbeiten und zu wohnen.